EVA ROSENSTIEL

Vorhang aus Tropfen und Tupfen

Fotografie wird Malerei: Die Malerin Eva Rosenstiel im Freiburger E-Werk

Thomas Lachenmaier

Badische Zeitung, 29. April 2008

Vielfältig sind die Beziehungen von Fotografie und Malerei. Das Foto ist eigenständiges künstlerisches Medium, es war auch immer ein beliebtes Hilfsmittel für die Maler_ In einer sehenswerten Ausstellung im Freiburger E-Werk zeigt Eva Rosenstiel einen dritten Weg. Sie nimmt Fotos als Ausgangsmaterial und transformiert sie zu Bildern, die den Beginn ihrer Genese fast gänzlich verbergen.

Die ursprüngliche Fotografie ist nur mehr eine Erinnerung - verborgen in einem geheimnisvollen Farb- und Formenkosmos. Die scheinbare Überfülle ihrer Bilder hat Eva Rosenstiel mit Gespür für Farbe und Sinn für komplexe Strukturen gebändigt. Intuitiv spürt der Betrachter die Bedeutungstiefe der Arbeiten. Der Faktor Zeit spielt eine Rolle, nicht nur der verwendeten Fotos wegen: Wie Zeithorizonte lagern über dem untersten Bildgrund jüngere Bildwirklichkeiten, die sich zuletzt zu der komplexen Realität anordnen, die als Ganzes und als Gegenwart sichtbar wird. Die Erinnerung ist verwischt und verborgen hinter Öl und Acryl, einem Vorhang aus Tropfen und Tupfen.

Es ist ein sensibles Arbeiten, in dem sich Offenlegen und Verbergen spannungsreich begegnet. Dieses Wechselspiel findet sich auch im Prozess der Bildentstehung selbst: Die Tintenstrahlprints bearbeitet die Künstlerin mit Wasser und Schwamm, Verschlossenes wird geöffnet, anderes verdeckt, eine neue Bildwirklichkeit entsteht. Es ist eine geheimnisvolle Welt, die Eva Rosenstiel zeigt. Die Bilder künden von erfahrener und erlebter Komplexität innerer und äußerer Realität - und sind eine Einladung, sich dieser zu widmen.

In ihrer zumeist freundlichen Farbigkeit haben Eva Rosenstiels Bilder die angenehme Anmutung einer sich ins leichtere Fach wendenden Melancholie. Wie aus dem Dunkel erwacht, findet ein Triptychon zu leuchtender Helligkeit. Das Karussell der ursprünglichen Fotografie taucht wie eine versöhnliche Erinnerung an eine Kindheit auf. Eine große Wandfläche hat die Künstlerin mit kleinen Bildern bedeckt - wie gekachelt. Die Bilder tUr sich sind vergleichbar den sehr großformatigen Formaten. In ihrer grafischen Anordnung und durch die vielfciltig erkennbaren Naturmotive wirkt diese Arbeit aufgeräumt und zugänglich.

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