EVA ROSENSTIEL

Und jetzt

Einführungsrede von Dr. Nicoletta Torcelli

GeorgScholzHaus – Kunstforum Waldkirch, 12. Juni 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Kunstpublikum,

Und jetzt.

So hat Eva Rosenstiel ihre Ausstellung genannt. Das kann als Statement verstanden werden. Und jetzt. Punkt. Die Künstlerin zeigt, was sie aktuell beschäftigt, woran sie gerade arbeitet. Man kann den Titel aber auch so interpretieren: Und jetzt? Fragezeichen. Was jetzt? Wo stehe ich? Wohin will ich? Was tun mit meinem Lebenswerk?

Ja, Eva Rosenstiel kann auf ein veritables Lebenswerk zurückblicken. 1975 – also vor über 40 Jahren – hat sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe an der Außenstelle Freiburg ihr Studium begonnen, parallel hat sie an der Albert-Ludwigs-Universität Kunstgeschichte studiert. 1980 hat sie das Kunststudium abgeschlossen - seit mehr als 35 Jahren ist sie also Künstlerin.

Diejenigen unter Ihnen, die ihre Arbeiten kennen, wissen natürlich, was für ihre Vorgehensweise wesentlich ist: Es ist das Prinzip der Serie, das über Jahre oder Jahrzehnte hinweg konsequente Arbeiten nach gleichen Voraussetzungen. Ganz wie ihr Professor aus der Akademiezeit, Peter Dreher, der ja ein Meister der Serie ist. In Tag um Tag guter Tag malt er seit 1972 regelmäßig ein Wasserglas, immer das gleiche Setting, die gleiche Entfernung, die gleichen Lichtverhältnisse….

Das ist eine lineare Form der Serie. Bei Eva Rosenstiel hat sich das serielle Prinzip verästelt und verzweigt. Ihr Werk ist eine Art Kaleidoskop mit vielen Facetten, die sich zu immer neuen Konstellationen verbinden und das Oeuvre in einem anderen Licht erscheinen lassen. So ist im Laufe der Jahrzehnte ein komplexes Bildsystem entstanden, das in ganz unterschiedlichen Formen auf sich selbst verweist. Ein umfassendes künstlerisches Archiv.

Die Ausstellung ist so etwas wie eine kleine Retrospektive, ohne eigentlich ein Überblick zu sein, denn das wäre ein schier unmögliches Unterfangen. Sie ist nicht chronologisch aufgebaut, vielmehr ermöglicht die Hängung ein Wandeln durch das Werk der Künstlerin.

Und jetzt?

Wie der überbordenden Fülle eines Gesamtwerks habhaft werden? Wie kann das eigene Werk konserviert werden? Was geht zusammen, und vor allem wie? Da Eva Rosenstiel auch eine Sammlerin ist, beschäftigen sie diese Fragen natürlich besonders. Sammeln ist eine Form des praktischen Erinnerns, so hat es Walter Benjamin einmal ausgedrückt. Der Akt des Sammelns, Speicherns und Archivierens hat aber auch etwas Paradoxes – er ist mit dem Wunsch verbunden, etwas Dauerhaftes zu schaffen, etwas festzuhalten. Sammeln unternimmt das eigentlich absurde Unterfangen, Sinn und Ordnung in das Zerstreute und Unübersichtliche, das nun mal die Fülle des Lebens ausmacht, hineinzutragen.

Eva Rosenstiel sucht in dieser Ausstellung nicht nach Sinn und Ordnung, sondern konfrontiert sich – und natürlich auch uns – mit dem Fragmentarischen und Diskontinuierlichen. Katalog, so lautet einer der Titel der aktuellen Werk-Reihe, an der die Künstlerin seit 2013 arbeitet. Doch was und wie wird hier katalogisiert?

„Googeln im eigenen Werk“, so hat Eva Rosenstiel en passant beim Aufbau der Ausstellung diese Arbeiten bezeichnet. Wir wissen es ja: Die unendliche Fülle im World Wide Web bietet die Möglichkeit (und die Gefahr), sich von einem zur anderen leiten zu lassen, durch das Netz zu „surfen“. Man landet irgendwo, oft mehr oder weniger zufällig – eine Seite geht auf, es werden mehrere Seiten geöffnet, die nichts miteinander zu tun haben… Es ist die Gleichzeitigkeit des Nahen und Fernen, das Nebeneinander unterschiedlichster Welten, eine wilde Zerstreutheit ohne Zentrum. Hier ist aber nicht der Moment, um Medienkritik zu betreiben, es ging nur um die Veranschaulichung eines Prinzips. Man muss aber auch gar nicht bei dieser Metapher der Suchmaschine bleiben, sondern man kann etwas viel Grundsätzlicheres für uns menschliche Wesen zu Rate ziehen: das Gedächtnis und die Erinnerung.

Was wir auf dem Bild sehen, sind lauter Dinge, die nichts miteinander zu tun haben: Eine Barbie-Puppe, eine Muschel, ein Schiff, ein Blumenarrangement, ein Strandkorb, eine Vase... Das Bild besteht aus Selbstzitaten, die Künstlerin malt Arbeiten ab, die in den letzten 20 Jahren entstanden sind.

Das führt uns zum Prinzip der Selbstreferenzialität, also der Selbstbezüglichkeit. Dieses Prinzip spielt im Werk von Eva Rosenstiel eine große Rolle. Das Bespielungskonzept der Ausstellung greift diese selbstreferentielle Methode auf und arbeitet mit direkten Verweisen: Auf dem Fensterbrett finden Sie die Vase, die im Bild ist, als reales Objekt. (Wie Sie sehen, ist die Künstlerin auch eine wunderbare Keramikerin, wenn auch nur selten.) Und neben dem großformatigen Katalog-Bild finden Sie das Blumenarrangement als kleines „Original“.

Die abgebildeten Motive – alle sind gegenständlich - stehen gleichwertig nebeneinander. Und sie werden isoliert dargestellt: Sie haben eine Art Schutzraum; sie liegen in so etwas wie Schalen, sie werden wie auf einem Präsentierteller offeriert. Diese abgrenzenden Formen haben aber auch eine andere Bedeutung. Sie sind als Spiegelsplitter zu verstehen, als so etwas wie Rückspiegel, die eine Rückblende, eine Rückschau ermöglichen - eine Reflektion also. Reflektion ist durchaus im doppelten Sinne zu verstehen: Einmal als Zurückwerfen einer Strahlung wie bei einem Spiegel, aber auch als prüfendes und vergleichendes Nachdenken. Indem sich die Künstlerin ihrem Werk aussetzt, sinniert sie darüber, befragt und hinterfragt es.

Dabei ist sie in erster Linie Malerin: Sie konzentriert sich auf das Objekt, auf die Stofflichkeit und Räumlichkeit. Wie spontan sie bei diesem Arbeitsprozesses trotzdem verfährt kann man an den Hintergründen sehen - diese sind ganz unterschiedlich, sie entstehen parallel mit den Motiven in Wechselwirkung. (Weitere Arbeiten finden Sie in den anderen Räumen.)

Es geht hier nicht darum, WAS abgebildet ist, sondern vielmehr um eine eigenwillige Form des Ordnens und Strukturierens. Das disparate Material – die früheren Werke - wird neu zusammengefügt, willkürlich und zufällig. Auf diese Art entstehen neue Korrespondenzen, neue Bezugnahmen und Verweise. Diese Methode ist so sprunghaft und diskontinuierlich wie das Gedächtnis selbst.

Als künstlerische Gedächtnisarbeit verstanden, thematisiert diese Werkreihe den Akt des Sich-Erinnerns (im Gegensatz zum Sammeln). Unser Erleben der Gegenwart ist ja immer von Vergangenheit durchsetzt, von Erinnerungen durchwoben – Erinnerungen sind aber immer nur ein kurzes Aufblitzen, ein Auftauchen und Verschwinden. Eva Rosenstiel fixiert solche Momente - und sie zeigt gleichzeitig, wie wenig wir das Ganze letztendlich fassen und wiedergeben können, denn alles bleibt Fragment.

Das Fragmentarische und Diskontinuierliche ist aber nur eine Seite der Medaille, denn das Werk der Künstlerin zeichnet sich durch große Kontinuität aus. Die Reihe Paradiesformat bildet seit 2005 den roten Faden; diese Reihe wird bis heute fortgeführt. In der Ausstellung wird sie in vier Holzkarteikästen präsentiert – ein ganz kleiner Ausschnitt wird gezeigt. Wie viele Paradiesformate bis heute entstanden sind, kann ich nicht ermessen. Jedenfalls sind es Tausende, die in immer neuen Konstellationen und Anordnungen präsentiert werden.

Anhand der Reihe Paradiesformat kann man gut erläutern, wie die Künstlerin an mehreren Schnittstellen arbeitet: An der Schnittstelle zwischen Malerei und Fotografie, und an der Schnittstelle zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Es handelt sich aufgezogene Abzüge von Fotografien im der Größe von 10 x 15 cm. Dieses Format wurde früher, vor einigen Jahrzehnten, von einer Firma werbend als Paradiesformat bezeichnet, da es etwas größer war als damals üblich, vielleicht erinnern Sie sich.

Die prinzipielle Arbeitsweise zu erläutern ist insofern wichtig, weil die Paradiesformate die Grundlage für viele andere Serien bilden. Sie sind, mal frei interpretiert, so etwas wie die DNA, die Chromosomen im Werk der Künstlerin.

„Ich möchte sehen, viel sehen. Und ich möchte Spuren hinterlassen.“ So hat Eva Rosenstiel mal ihre Triebfeder bezeichnet. Die Kamera ist bei ihren Streifzügen ihr „drittes Auge“. Sie arbeitet mit einer einfachen Kamera, denn es geht nicht um Kunstfotografie, sondern um Schnappschüsse –spontan, intuitiv, flüchtige Blicke aus dem Augenwinkel heraus. Als Motiv kommt alles in Frage: Häuser und Straßen, Innenräume und Schaufenster, ebenso Gräser, Wellen, Kiesel, Bäume... ein offenes Feld also.

Ich hatte ja erwähnt, dass die Schnittstelle zwischen Malerei und Fotografie von eminenter Bedeutung ist. Fotografie und malerische Intervention gehören zusammen. Bei vielen Paradiesformaten werden mit Tusche, Acryl oder Gouache Akzente gesetzt. Dabei lässt sich die Künstlerin von einem Motiv im Bild - einer „formalen Bildinformation“, wie sie sagt, inspirieren. Dieses Motiv wird immer wieder wiederholt, das Foto wird mit einer individuellen, einzigartigen Struktur aus Punkten, Strichen, Linien oder Kreisen überzogen. Ein abstraktes Muster wird über das Bild gelegt, so etwas wie ein Ornament.

Die Reihe Paradiesformat - ein gewaltiges „Bildreservoir“. Wie bieten sie die Grundlage für weitere Arbeiten? Aus jedem der kleinen Paradiesformate können - zumindest theoretisch - neue Serien entstehen. Die Paradiesformate dienen dann als Vorlagen.

Mediale Übertragung ist aber auch immer mediale Übersetzung. Durch den Transfer entstehen für die Künstlerin neue ästhetische Fragestellungen – und für uns andere Voraussetzungen für die Rezeption.

Als ein Beispiel möchte ich eines der Bilder in den oberen Räumen erwähnen. Es ist ein Bild mit grünen ovalen Formen. Aus dem Paradiesformat wurden das Motiv und die ornamentale Wiederholungsstruktur übernommen. Die „formale Bildinformation“ ist eine Designerlampe. Doch während beim Paradiesformat diese Motivquelle als Fotografie erkennbar bleibt, verschwindet beim Gemälde diese Unterscheidung zwangsläufig, denn alles ist ja gemalt. Dadurch kommt das Mehrdeutige dieser, ins Abstrakte tendierenden Formen stärker zum Tragen. Durch die Wiederholung bekommen die grünen Ovale eine eigenwillige, surreale Kraft. Sie werden zu so etwas wie UFOS. Oder schwebende Überwachungskameras … oder Manga-Figuren? Hier können Sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen, mit den Ambivalenzen von Raum und Form spielen.

Als weiteres Beispiel für Transformationsprozesse möchte ich ein Exponat aus der Reihe Grasbilder erwähnen, eine der ältesten Arbeiten der Ausstellung. Die Vorlage ist auch hier ein Paradiesformat. Hier zeigt sich deutlich, was Eva Rosenstiel schon seit Studienzeiten interessiert und fasziniert: die unbändige Kraft der Malerei. Wir tauchen in ein Universum ein, das an ein Dickicht erinnert, die Gräser wirken überdimensional - wie aus der Ameisenperspektive gesehen… Die Natur wird abstrahiert: Aus Grashalmen werden Strukturen. Akzente werden gesetzt, Kontrapunkte definiert. Und man spürt regelrecht die Leidenschaft an der Malerei - am wunderbaren Spektrum an Grüntönen, und am gestischen und sehr pastosen Auftrag, der die Fläche in Struktur verwandelt und Einblicke in tiefere Raumschichten erlaubt.

Dem Grasbild steht eine der neuesten Arbeiten aus der Werkserie Neues von Blumen gegenüber. (Übrigens ist der Titel eine Hommage an Walter Benjamin, der einen Einleitungstext aus dem Jahr 1928 so genannt hatte.) Es ist eine Pendant-Hängung - das Pendant ist ein Gegenstück, eine Ergänzung, oder auch Entsprechung. (Wie bei einer Waage, mit Gewicht und Gegengewicht.)

Durch diese Hängung verändert sich unseren Blick, denn die Bilder treten zueinander in Beziehung und affizieren sich gegenseitig, Beim Betrachten treten die Ähnlichkeiten hervor – so wird der Bogen, der in beiden Bildern kompositorisch eine Rolle spielt, noch stärker hervorgehoben. Auch das ist eine Form von Selbstreferentialität, von Selbstverweis.

Gleichzeitig macht die Hängung auch die Unterschiede deutlich. Beim Pendant des Grasbildes ist die Farbe dünn aufgetragen, die Spur der künstlerischen Hand konzentriert sich auf wenige, pastos aufgetragene Stellen. Es überwiegen die fotorealistischen Qualitäten. Jedes Blatt und jeder Grashalm werden gleichwertig nebeneinander gestellt, sie werden gewissermaßen gleich ernst genommen. Alles wird detailliert und „sachlich“ - oder naturalistisch - wiedergegeben, jede Einknickung, die braunen Ränder des Blattes… Der graue Hintergrund fungiert dabei als neutrale Grundlage, auf die alles „wertfrei“ hineingestellt werden kann. Die Bilder erinnern mich an alte Botanik-Bücher. Ebenso lebt hier die Tradition des klassischen Stilllebens wieder auf.

In diesen Bildern steckt natürlich noch mehr. Denn auch sie sind, typisch für Eva Rosenstiel, das Ergebnis von Überschreibungen, Offenlegungen und Verbergungen. Hinter Neues von Blumen steckt ein älteres Blumenuniversum: Die Unterlage ist nicht ein „unbeschriebenes Blatt“, sondern ein Fotodruck mit Blumenmotiven, die natürlich auch als Paradiesformat existieren.

Auch hier handelt es sich also um die Verschränkung von Malerei und Fotografie. Die Motive des Fotodrucks werden teilweise eins zu eins übertragen, gewissenmaßen kopiert, teilweise ergänzt die Künstlerin aber auch frei, indem sie sich dem Bildfindungsprozess hingibt. Als Endergebnis verdeckt die Malerei weitgehend, aber nicht vollständig die Unterlage: Die andere Welt, die darunter verborgen liegt, blitzt an einigen Stellen auf. Diese Stellen sind für uns Betrachterinnen und Betrachter kaum auszumachen, denn hier treibt die Künstlerin ein so raffiniertes wie irritierendes Spiel mit den Qualitäten von Malerei und Fotografie. Was wie ein Foto aussieht, ist gemalt, und was wie Malerei aussieht, kann durchaus Fotografie sein… Ich erlaube mir auch hier eine kleine philosophische Ausschweifung: Jeder Akt der Erinnerung ist auch eine Überschreibung, die das Gewesene enthüllt und zugleich verhüllt.

Wie sehr es der Künstlerin um malerische Qualitäten geht, zeigen auch die Arbeiten aus der Reihe Marché d’Alligre. Diese Arrangements folgen, ebenso wie die Bilder mit den Knöpfen und Perlen, keinem strengen Kompositionsprinzip, sondern werden als Haufen oder Menge dargestellt. Ein wunderbares Spektrum an Farbabstufungen und Materialien tut sich vor unseren Augen auf. Rücken wir ganz nah ran, tauchen wir umso mehr in das höchst differenzierte Farben- und Formenspiel ein. An einigen Stellen verselbständigt sich die Farbe und wird zum puren Material –der Auftrag ist dann sehr pastos, dick aufgetragen, mit ausgeprägten haptischen Qualitäten. Hier lebt die Malerin Rosenstiel regelrecht auf. Für uns Betrachterinnen und Betrachter wird das Erkunden von Materialien, Stoffen und Oberflächen zum sinnlichen Erlebnis.

Ich möchte zum Abschluss auf eine der Eingangsfragen zurückkommen. Wie der überbordenden Fülle eines Gesamtwerks habhaft werden? Wie mit der Unzahl von Bildern umgehen, die immer mehr werden? In den oberen Räumen der Ausstellung befinden sich Exponate der Werkserie Souvenir. Diese zeigt „Paradieshelden“ – so nenne ich mal kurzerhand diese Comic-Figuren, die die Künstlerin in einem Schaufenster in Paris gefunden hat. Diese Figuren werden anders als in den bereits angesprochenen Paradiesformaten behandelt: Jede Figur bildet ein kompaktes Kraftzentrum, sie wird durch einen pastosen Farbauftrag und einen energischen Pinselstrich plastisch hervorgehoben. Und jeder Paradiesheld hat viele Paradiesformate in Petto: Für diese Serie verklebt die Künstlerin „verworfene“ Paradiesformate und verschließt sie mit dick aufgetragener Farbe.

Diese Objekte von unterschiedlicher Tiefe, die wie Leporellos oder Albums wirken, sind keine Bilder mehr. Sie sind so etwas wie „Kraft-Pakete“ oder „energetische Speicher“. Sie sind hermetisch abgeschlossen, die in ihnen gesammelten Bilder sind nicht mehr zugänglich.

Verpacken, Einlagern - und Verschwinden-lassen. Ein Souvenir, das ist ein Erinnerungsstück. Doch hier wird ein Großteil der Erinnerung verunmöglicht. Diese Werke tragen das Vergessen in sich.

Manche Werke müssen eben verschwinden, um weiter zu existieren.

Wie sehr es der Künstlerin um malerische Qualitäten geht, zeigen auch die Arbeiten aus der Reihe Marché d’Alligre. Diese Arrangements folgen, ebenso wie die Bilder mit den Knöpfen und Perlen, keinem strengen Kompositionsprinzip, sondern werden als Haufen oder Menge dargestellt. Ein wunderbares Spektrum an Farbabstufungen und Materialien tut sich vor unseren Augen auf. Rücken wir ganz nah ran, tauchen wir umso mehr in das höchst differenzierte Farben- und Formenspiel ein. An einigen Stellen verselbständigt sich die Farbe und wird zum puren Material –der Auftrag ist dann sehr pastos, dick aufgetragen, mit ausgeprägten haptischen Qualitäten. Hier lebt die Malerin Rosenstiel regelrecht auf. Für uns Betrachterinnen und Betrachter wird das Erkunden von Materialien, Stoffen und Oberflächen zum sinnlichen Erlebnis.

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